Der Hackintosh

Lange habe ich euch diesen Artikel versprochen, jetzt habe ich mir endlich mal die Zeit genommen ihn zu schreiben…

Seit 2010 arbeite ich nun mit meinem MacBook, der Umstieg von Windows auf Mac fiel mir relativ leicht und auch wenn ich mit Windows gut klar komme, kann ich unter Mac OS X deutlich schneller arbeiten und mein kompletter Workflow basiert mittlerweile auf diesem Betriebssystem. Das MacBook hat zwar gute Dienste geliefert, zur Fotobearbeitung mit Lightroom wurde es mit der Zeit jedoch einfach zu schwach. (Ich schrieb bereits letztes Jahr ein paar Zeilen dazu, wie ihr Lightroom unter Mac dennoch ein wenig beschleunigen könnt, der Tipp funktioniert auch immer noch unter der aktuellen Version von LR 5.)
Auch eine SSD und mehr RAM konnten das Macbook nicht mehr ausreichend beschleunigen, es half alles nicht, es musste ein neues System her. Das einzige was mir wirklich klar war, war das ich nicht das Betriebssystem wechseln möchte, da ich gerade einen für mich sehr guten Workflow gefunden hatte um unter Mac OS meine Arbeit schnell und effizient zu erledigen.

Apple hatte da noch das MacBook Pro Retina 15 Zoll sowie die neuen iMacs im Verkauf. (Den Mac Pro finde ich zwar interessant, jedoch war die Verkaufsversion hiervon viel zu veraltet um darüber nachzudenken) Der iMac war nicht das richtige für mich, weil ich dann meinen recht neuen 27 Zoll Monitor „umsonst“ gekauft hätte. Das Retina MacBook blieb also als einzige Option offen, zugegeben der Gedanke mobil eine derartige Rechenpower in dem recht leichten Format dabei zu haben ist auch für mich verlockend! Jedoch konnte ich mich nicht damit anfreunden, kein einziges Bauteil in diesem Rechner jemals austauschen zu können, in drei Jahren wäre er also wieder ziemlich veraltet, ohne das ich daran irgendwas ändern könnte. Außerdem kann man den stolzen Preis von ca. 2500€ auch nicht mehr schön reden…

Als quasi einzige Lösung blieb mir also, mich an einem Hackintoshsystem zu probieren. (Ich kann euch leider nicht mehr sagen wie oder wo ich von dieser Möglichkeit zum ersten Mal gehört habe) Was ist denn nun dieser Hackintosh?!
Eigentlich ganz einfach, Apple vertreibt ihre eigenen fertigen Computer wo bereits Mac OS installiert ist. Ein Hackintosh umgeht nun dieses Prinzip indem man sich durch ein paar Tricks ermöglicht Mac OS auch auf einem völlig anderen Computer zu installieren, also Hardware für die Apple nie vorgesehen hatte, dass hierauf Mac OS läuft.

Damit das Ganze am Ende auch recht reibungslos läuft, muss man auf ein paar Dinge achten, gerade das Mainboard spielt hier eine wichtige Rolle. Mithilfe einer guten Kaufberatung und dem Wissen das die Community groß genug ist um mir bei Problemen aus der Patsche zu helfen, bestellte ich mir also jede einzelne Komponente des Systems. Zugegeben ein paar Bauchschmerzen hatte ich bei der Sache schon. Was ist wenn das System nicht richtig rund läuft? Ich muss doch schließlich damit arbeiten. Was ist wenn Mac bei dem nächsten Update diesen Trick der installation verhindert und ich nicht mehr updaten kann? Habe ich dann das ganze Geld versenkt?

Doch verdammt was habe ich mich darauf gefreut endlich mal wieder Computer Hardware in der Hand zu haben und selbst zusammen zu bauen! Ging bei dem MacBook schließlich nur sehr begrenzt und habe ich doch vor meiner Mac Zeit tagtäglich gemacht. Meine Einzelteile kamen also alle an und ich begann damit jedes Bauteil einzusetzen.

(es folgen ein paar Amazonpartnerlinks mit denen ihr mir zu unendlichem Reichtum verhelfen könntet)
Motherboard: Gigabyte GA-Z77X-UD5H
Prozessor: Intel Core i7-3770K
RAM: 16GB 1600Mhz DDR3
Grafikkarte: EVGA NVIDIA GTX 660 Ti
Festplatte (SSD): SanDisc SATA 6Gb/s 240GB SSD
Festplatte (HDD): Western Digital 1TB
Gehäuse: Corsair Carbide 500R
Netzteil: Corsair 650 Watt Modular
CPU Lüfter: Thermaltake
WLAN: TP-Link PCI Express Wifi Adapter
Bluetooth Adapter
USB Stick
Maus: Logitech G500
Tastatur: Apple Keyboard Wireless

Monitor: Dell U2711

Installation: Mac OS X im Dualboot mit Windows 8.

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Das Zusammenbauen der Hardware ging ziemlich schnell und einfach (ich wusste gar nicht das da so viel verbessert und vereinfacht wurde, grandios!). Danach wird es ein wenig frickeliger, das Mac Betriebssystem wird an einem echten Mac Rechner im App Store gekauft und zusammen mit einer kleinen Zusatzsoftware auf einen USB Stick gespielt. Nun kann der neu gebaute Rechner von diesem USB Stick booten und OS X wird ganz normal installiert. Die wirkliche Problematik kommt nun erst an dieser Stelle. Das Betriebssystem ist jetzt zwar installiert und läuft bereits auf eurem Rechner, bisher ist es aber nur mit dem USB Stick bootfähig! Nun muss das kleine Tool Multibeast installiert werden, mit dem ihr euer System auch ohne USB Stick bootfähig macht, außerdem werden hier noch ein paar andere Dienste angesprochen, wie z.B. eure Soundkarte, oder die LAN Ports von eurem Motherboard.

Nachdem das alles installiert ist läuft auch schon eigentlich alles. Ich hatte noch kleine Probleme, für die im UEFI (ähnlich zum BIOS) noch ein paar kleine Dinge umstellen musste, auch das war jedoch kein wirkliches Problem, da sich im Internet für jedes Problem auf diesen Systemen einen Lösung finden lässt.

Meine Bedenken sind also ziemlich schnell verflogen, und auch vor dem Update auf die nächste Version von OS X habe ich keine Angst, da hier bereits die ersten Lösungen für die Beta verfügbar sind. Lediglich die Gefahr das Apple diese Lösung komplett aussperrt bleibt bestehen, aber selbst wenn das irgendwann mal passieren sollte, gibt es entweder eine Alternativlösung, oder ich muss mich halt doch mit Windows zufrieden geben…

Warum hat sich der Aufwand jetzt trotzdem für mich gelohnt?
Ich habe ein absolut neuwertiges und leistungsstarkes Computersystem, auf dem ich problemlos auch die Bilder der D800 bearbeiten und verwalten kann, die Vorzüge von Mac OS blieben mir erhalten und mein Bastlerherz erfreute sich ebenfalls sehr an dieser Aktion. Außerdem kann ich nun im Gegensatz zu einem Macbook in Zukunft einfach Komponenten erweitern oder ersetzen, ohne das ich gleich das komplette System austauschen muss.

Jedes Programm und alle meine Workflows liefen bisher völlig reibungslos auf dem System, und ich merke während der Benutzung keinerlei Unterschiede zu echter Mac Hardware. Dinge wie Bluetooth, Audio, USB 3 Unterstützung, AirDrop, iCloud oder der Ruhemodus ist alles kein Problem und läuft einwandfrei. Lediglich mit dem WLAN hatte ich ein kleines Problem, bei dem ich alle paar Stunden mal kurz offline ging, dank stationärem Rechner löste ich das Problem jedoch einfach mit einem der vielen LAN Ports. (Mit etwas Recherche liesse sich das aber wohl auch noch lösen)
Neben Mac OS X habe ich auch noch Windows 8 installiert, schließlich lässt mir dieser Rechner nun sämtliche Freiheiten auch alles andere zu installieren oder einzubauen, so kann ich z.B. auch noch genügend Festplatten nachbauen um den Speicherplatz erstmal ausreichend zu erhöhen.

Wer Lust hat auf ein wenig Basteln, sich mit der Materie Computer ein wenig auskennt und auf die Vorzüge eines leistungsstarken mobilen Rechners verzichten kann, dem kann ich diese Variante nur empfehlen. Preislich habe ich nun auch im Gegensatz zum MacBook Pro Retina ca. 1000€ „gespart“. Ich bin rundum zufrieden und habe zugeben mit deutlich mehr Schwierigkeiten gerechnet.
Bedanken muss ich mich bei den Leuten von tonymacx86.com, ohne deren Software und Kaufempfehlung ich mich das niemals getraut hätte!

Das war jetzt ganz schön viel Text für meinen sonst so bildlastigen Blog. Vielleicht hat es aber ja einige von euch interessiert, ansonsten enthalten die nächsten Artikel dann auch endlich wieder Bilder, davon habe ich schließlich auch eine ganze Menge zu zeigen.

 

UPDATE:

Die Frage aus den Kommentaren zum Dualboot beantworte ich lieber direkt im Artikel, da die Antwort wieder etwas länger ausfällt. Ich sage vorher, das ich es nicht perfekt gelöst habe, es für mich aber sehr gut funktioniert. Wichtig ist das beide Betriebssysteme auf zwei verschiedenen Festplatten liegen, nicht bloß auf anderen Partitionen, macht vieles einfacher! Es geht zwar auch auf einer einzigen Festplatte mit mehreren Partitionen, aber da zerschießt man sich gerne mal die Bootloader und es soll auch deutlich komplizierter sein. Das oben bereits erwähnte Tool Multibeast, bietet einem eigentlich einen Auswahlbildschirm an welches Betriebssystem nun gestartet werden soll, da ihr die Bootoptionen aber auch durch einen Tastendruck während des Hochfahren ändern könnt, habe ich darauf verzichtet.
Zuerst habe ich Mac OS X auf meiner SSD Festplatte installiert, anschließend habe ich meine HDD Festplatte auf mehrere Partitionen aufgeteilt, eine davon im FAT32 Format damit dieser Teil von Windows genutzt werden kann. Alles wieder herunterfahren und (ganz wichtig) die Mac OS Festplatte vom Rechner abstöpseln und Windows nun auf der FAT32 Partition installieren. Wenn ihr nun wieder die Mac OS Festplatte anschließt, wird dieses standardmässig gestartet, ihr könnt jedoch beim hochfahren (durch einen Tastendruck, bei mir F12) auswählen von welcher Festplatte gestartet werden soll. So kann ich nun Windows nutzen und gleichzeitig standardmässig mit OS X arbeiten. Funktioniert bei mir ganz einwandfrei!

14 Kommentar

  1. Falls jemand von euch auch plant sich so etwas anzuschaffen, ich stehe für Fragen jederzeit bereit!

    • Mhhh gute Frage, ich habe mich ja für die ganz einfache Variante entschieden und bereits empfohlene Hardware benutzt. Ich weiß das es auch Leute gibt die andere Laptops mit Mac OS bestücken, allerdings fällt da der Aufwand deutlich größer aus, weil das Motherboard, der Akku und das Trackpad nicht so gut zusammenspielen…

      • Ich habe nur mal gelesen, dass der Dell dazu geeignet sein soll, aber ich weiß meine Fähigkeiten in Sachen Computermanipulation recht gut einzuschätzen. ;-) Hättest Du jetzt gesagt: „Alles logga, mache ich Dir in zehn Minuten!“, dann hätte ich das Dings sofort auf den Weg gebracht, aber so, muss er weiter unter dem Sofa schlafen.

  2. Spannend, was du da zusammen gebastelt hast. Allerdings gehöre ich zu denjenigen, die vom Mac zum PC gewechselt sind und nach 2 Jahren ständiger Bastelei nebst Virenentsorgung usw. völlig entnervt zum Mac zurückgekehrt sind und seit 5 Jahren glücklich :-). Gut, das Virenproblem hast du nicht…. Ich finde es schön, dass ich bei Apple kaum Auswahl habe, keine Qual der Wahl (die paar Optionen in Sachen Prozessor usw. verkrafte ich gerade noch) und hätte den neuen Monitor als Zweitmonitor zum iMac genutzt :-). Man kann ja gar nicht genug Bildschirm haben ;-)
    Trotzdem Hut ab vor deinem Hackintosh!

    • Der sieht leider ganz und gar nicht spannend oder schön aus. Aber ich mache die Tage mal ein Foto davon, wenn ich aufgeräumt habe. ;)

  3. Sehr interessant. Ich selbst nutze meine Zeit anders als zum Basteln, aber ich kenne den einen oder anderen, den Dein Blog-Post interessieren könnte. Im Übrigen kann man sehr wohl an den MacBook Pros ein ganz klein wenig verändern … z.B. die SSD. Ich halte es so, mir vom Start weg via BTO die Vollausstattung mit schnellstem Prozessor zu besorgen. Dann hält die Maschine ein paar Jahre mit und braucht zwischendurch nur neue Akkus und mal ein SSD Update. Allerdings gebe ich zu, dass das durchaus teuer sein kann: Das aktuelle 15″ Retina MBPro käme im Apple Store auf satte 3449 Euronen (i7-Quadcore 2,8GHz, 16 GB 1600 MHz DDR3 RAM, 768 GB SSD). @Lichtbildwerkerin : Ich finde auch, dass man mindestens zwei Bildschirme braucht, selbst wenn man „nur“ textet und nicht Licht bildet.

    • Das stimmt natürlich, aber Festplatten kannst du beim Retina ja eigentlich auch gut über USB 3 oder Thunderbolt anschließend. ;)

      • Externe Platten neigen dazu, Raum zu füllen, den ich in meinen Taschen gern für etwas Anderes, insbesondere Luft, nutzen möchte…

  4. Ein paar nützliche Informationen / Quellen zum Dualboot wären sehr interessant. Außerdem interessiert mich, ob du ein DVD/BD Laufwerk verwendest?

    • Die Antwort zum Dualboot habe ich oben ergänzt. Ich habe eine absolute Abneigung gegen Datenträger wie DVDs, weshalb ich lediglich mein externes DVD USB Laufwerk nutze, welches zum brennen und lesen für mich absolut reicht. Wurde auch sofort erkannt, kann mir nicht vorstellen das andere Laufwerke da mehr Probleme bereiten.

  5. Hallo,

    ich würde mir derzeit auch gerne einen Hackintosh zusammenstellen. Leider liegt mein Preisbudget bei 700€.
    Wichtig wäre ein Dual Boot mit Windows und OS X.

    Kannst du mir etwas zusammenstellen?

    LG Niklas

  6. @Niklas: Steht doch alles auf tonymacx86.com. Einfach dort nachlesen.

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